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135 Millionen Euro für ein Stück Tradition

 

Schiffsbug

 

Fast alle Offiziere der Marine haben auf der "Gorch Fock" ihre Ausbildung absolviert. Jetzt soll der 60 Jahre alte Dreimaster repariert werden - und das wird deutlich teurer als bislang geplant.

Erst war von 75 Millionen Euro die Rede, dann ging es um mehr als 100 - jetzt steht fest: Die Reparatur und die Modernisierung des Marine-Segelschulschiffes "Gorch Fock" wird bis zu 135 Millionen Euro kosten. Das erfuhr das ARD-Hauptstadtstudio aus Ministeriumskreisen. Das Verteidigungsministerium hat entschieden, dass die Arbeiten trotzdem durchgeführt werden sollen.

Im Januar hatte das Ministerium die Arbeiten stoppen lassen, nachdem deutlich geworden war, dass die Kosten deutlich höher ausfallen könnten als bislang angenommen. Vertreter des Verteidigungsministeriums verhandelten mit der Elsflether Werft AG. Dort liegt die "Gorch Fock" seit Januar 2016.

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Für einen Neubau ist es zu spät

Nun ist klar, dass die Außenhaut fast vollständig erneuert werden muss. Außerdem sollen das Ober- und das Zwischendeck ausgetauscht werden, ein Teakholzbelag wird neu verlegt. Arbeiter der Werft müssen auch den Motor überholen.

In den vergangenen Monaten hatten Politiker der Opposition kritisiert, dass die Arbeiten an der "Gorch Fock" immer teurer wurden. Im Ministerium heißt es, man habe alle Möglichkeiten überprüft und auch den Neubau eines Segelschulschiffes in Erwägung gezogen. Doch das hätte finanzielle Verluste bedeutet - insgesamt 70 Millionen Euro. Werften haben bereits Arbeiten im Wert von 45 Millionen Euro erbracht, Leistungen im Wert von 25 Millionen Euro sind vertraglich vereinbart, wie die Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage des Grünen-Abgeordneten Tobias Lindner ergeben hat.

Neues Teakholzdeck Teakholzdeck Neues Teakholzdeck Neues Teakholzdeck

Bis 2025 könnte wertvolles Wissen verloren gehen

Der Kommandant der "Gorch Fock", Nils Brandt, zeigte sich erleichtert: "Nach langer Zeit der Flaute ist wieder Wind zu spüren", sagt Brandt. "Und das tut gut, denn die 'Gorch Fock' erfüllt einen ganz wesentlichen Auftrag zur Ausbildung unseres Nachwuchses."

Bei der Marine heißt es, ein Neubau würde frühestens 2025 zur Verfügung stehen. Bis dahin könnte die Fähigkeit, Großsegler zu betreiben, verloren gegangen sein. Die "Gorch Fock" soll im ersten Halbjahr 2019 wieder zur Verfügung stehen.

Für viele Offiziere der Marine ist die "Gorch Fock" mehr als nur ein Ausbildungsschiff, identitätsstiftend und auch ein Stück Tradition. 1958 wurde der Dreimaster in Dienst gestellt. Zur Besonderheit der Bark gehört, dass die Offiziersanwärter in die Takelage steigen, um die Segel zu setzen. Ob das bei einem neuen Segelschulschiff aus Sicherheitsgründen überhaupt noch erlaubt wäre, ist fraglich.
Quelle: tagesschau.de
Fotos: Hermann Dirkes


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