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„Gorch Fock“ muss abspecken

Elsfleth. Seit mehr als 50 Jahren repräsentiert das Marine-Segelschulschiff „Gorch Fock“ Deutschland in den Häfen weltweit. Jetzt wird die fast 90 Meter lange Drei-Mast-Stahl-Bark in Elsfleth generalüberholt. Die Marine investiert dafür fast 9 Millionen Euro.

Kaum an ihrem Liegeplatz auf der Elsflether Werft angekommen, begann die 120-köpfige Besatzung gestern mit dem Ausräumen der Decks. Am Nachmittag wurde ein Wohnschiff erwartet, wo die Männer und Frauen der „Gorch Fock“ während des Umbaus untergebracht sind. Mitte Mai soll das runderneuerte Schiff auslaufen und wenig später auf einer zehnmonatigen Reise unter anderem zum ersten Mal die Südspitze des amerikanischen Kontinents umsegeln.

Das Schiff hatte seinen Heimathafen Kiel am Montag verlassen und Kurs auf Elsfleth genommen. Hier sind Schiff, Kommandant Norbert Schatz und seine Mannschaft keine Unbekannten. Seitdem die „Gorch Fock“ dort im Jahr 2000 komplett entkernt wurde, war sie bereits fünf Mal zu Überholungsarbeiten in Elsfleth.

Ziel: 1,2 Tonnen leichter

Diesmal werden die Maschinen der „Gorch Fock“ instand gesetzt. Die zehn Rahen und zwei der drei Masten sollen abgebaut und mit einer Kamera von innen auf Rost und andere Schäden untersucht werden. Ebenso der Hauptmast, der nicht abgebaut werden kann. Danach werden die Taue, Rollen und Blöcke, mit denen die Segel gesetzt werden, gegen leichtere Teile ausgetauscht. Allein dadurch soll das Schiff 1,2 Tonnen leichter werden. Damit die „Gorch Fock“ künftig schneller und wendiger ist, werden zudem im hinteren Teil des Schiffes alte Betonböden, auf denen einst Fliesen verlegt wurden, durch leichteren Kunststoff ersetzt.

Anti-Bewuchs-Anlage

Doch das ist nicht alles. Um bei der schiffbaulichen Untersuchung alles genau unter die Lupe nehmen zu können, müssen die Ballastgewichte aus dem Doppelkammerboden entfernt werden. „Das sind unter anderem 16 000 Blei-Barren“, sagt Werft-Vorstand Klaus Wiechmann. Nicht zuletzt würden die Antriebsanlagen der „Gorch Fock“ samt Wellen und Propeller instand gesetzt und die Stromerzeuger gegen moderne, energiesparende Geräte ausgetauscht. Zudem erhält die „Gorch Fock“ eine Anti-Bewuchs-Anlage, die verhindern soll, dass sich Muscheln in den Kühlwasserrohren zu sehr ausbreiten. Radar- und Funkgeräte werden ebenfalls ausgetauscht und „auf den neuesten Stand der nautischen Technik“ gebracht, damit die von Blohm & Voss in Hamburg gebaute und 1958 in Dienst gestellte „Gorch Folk“ zehn weitere Jahre ihren Dienst verrichten kann. Mit einer Korrosionsschutzanlage und einem neuen Anstrich versehen, soll das Segelschulschiff dann auf seine große Reise nach Südamerika entlassen werden.

Den Auftrag im Wert von knapp 9 Millionen Euro hatte die Elsflether Werft kurz vor Weihnachten erhalten. Zusammen mit zwei weiteren Marineschiffen, die ebenfalls zurzeit auf der Werft überholt werden, sichert die „Gorch Fock“ nicht nur die Vollbeschäftigung der rund 90 Werftarbeiter. Der Millionenauftrag zieht auch jede Menge Arbeit für etliche andere Firmen nach sich, die etwa die Takelage (Wert: 1,2 Millionen Euro), Generatoren oder auch Teppiche liefern.

Dass die Elsflether Werft die „Gorch Fock“ so gut kennt, hat nach Ansicht von Wiechmann sicher geholfen, den Auftrag zu erhalten. Ausschlaggebend, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, seien aber vor allem die korrekte Arbeit, die Zuverlässigkeit und der Preis gewesen. „Sechsmal hat es gepasst, und es wird auch diesmal wieder passen“, sagt Kurt Wiechmann mit Blick auf den engen Zeitplan. In spätestens zwei Wochen sollte es daher vorbei sein mit Eis und Schnee, damit sich nicht schon der Austausch der Takelage verzögert.  

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Quelle: Kreiszeitung Wesermarsch, Fotos: Manfred Ohde