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Rückreise von Akureyri nach Kiel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Volker Sturmat   
Montag, 15. Dezember 2008 um 12:25

Rückreise von Akureyri nach Kiel


Nach dem Auslaufen von Akureyri nahmen wir Kurs Richtung Heimat. Diese Fahrt verlief jedoch nicht so ruhig, wie viele sich das vorgestellt hatten.


Der Nordatlantik empfing uns schon rauh. Wir hatten die isländische Küste an BB liegen, als ich Ruderwache bis 00Uhr hatte. Wir liefen unter Maschine, immer gegen Wind und Seegang an. Die Außentemperatur war auch nicht gerade schmeichelhaft, als ich endlich nach Mitternacht in meine gemütliche Koje im Stammdeck unter die warme Decke kroch. Damals war das Stammdeck noch durchgängig offen und 8 ältere Stammfahrer hatten das Privileg, eine Koje zu haben, der Rest schlief in Hängematten. Nun gut, ich ließ mich von dem Stampfen der Gorch Fock in den Schlaf wiegen, als ca. gegen 1Uhr der Smadding ins Deck polterte: “alle Mann an Deck – sofort – nur Lifebändsel mitnehmen – hop – hop – “. So etwa hatte sich das abgespielt und damals hatten wir noch das gute, alte Lifebändsel mit einfachem Karabinerhaken und wurde mit doppeltem Palstek umgebunden.


Das klang bedrohlich und ich war noch im Halbschlaf und Schlafanzug. Darüber streifte ich mir noch schnell den Parka, der offen blieb, wegen des Lifebändsels.


Als wir an Deck stürmten – soweit das wegen des Seeganges möglich war – stand der gesamte Lehrgang angetreten an Deck.


Der Sturm heulte schaurig in den Wanten und wir hatten 2 rote Laternen übereinander gesetzt – das zeigte Manövrierunfähigkeit an. Unsere Maschine – damals nur mit ca. 850PS, schaffte es nicht mehr, die Gorch Fock gegen den Sturm und den hohen Seegang anzudrücken. Es bestand die Gefahr, daß wir auf die isländische Küste gedrückt werden – d. h. wir saßen halbwegs auf Leegerwall. Nun war die Stammbesatzung gefragt. Es hieß aufentern und Segel lösen, damit wir uns frei kreuzen konnten. Mein Gott – nie vergesse ich, wie ich von da oben wieder runtergekommen bin. Im Schlafanzug – nur den offenen Parka über – spürte ich meine Finger nicht mehr. Die Zeisinge lösen und zähneklappernd über die Fußpferde rutschen – unter mir die Wellenberge – hatte ich das Gefühl, der Wind pfeift mir durch die Rippen. Eng an die Wanten gepreßt, enterten wir ab und kamen wieder an Deck. Nun wurden die Segel gesetzt und schwerfällig kreuzten wir uns von der Küste so weit frei. daß wir den Südzipfel von Island umrunden konnten.


Danach setzte wieder die Seeroutine ein und das Wetter beruhigte sich. Bis wir vor den Färöer – Inseln standen. Es war ein relativ warmer Abend. Die Sonne ging gleißend unter und es war windstill. Wir liefen unter Maschine und es ging eine hohe Dünung, die schwerfällig wie Blei rollte und auch so glänzte.


Und es kam. Es kam heulend und schäumend. Inzwischen hatten wir Sturmsegel gestzt und machten eine tolle Geschwindigkeit. Die Wellenberege wuchsen und die Gorch Fock ging manchmal bis 50Grad über. Das BB – Mitteldeck stand dann halb unter Wasser und die Jungs kotzten sich die Seele aus dem Leib. Ich weiß nicht, wie die Smutjes es schafften, bei diesem Wetter noch Steaks zu braten. Jedenfalls war ich total überfressen, weil selbst vielen vom Stammdeck das Essen nicht mehr schmeckte und ich die Steaks dann mit verputzte.


An Stb. hätten wir beinahe einen Wal an Deck bekommen. Der hatte sich vom Walfangmutterschiff losgerissen und trieb mit Preßluft gefüllt auf einer riesigen Woge dicht an uns vorbei. Ja, das wär`s doch gewesen – ein Wal an Deck.


Und wie sah meine Zimmereilast erst aus. Obwohl vorher alles seefest gezurrt wurde, hatten sich Schubladen geöffnet – die Werkbank stand woanders – Holzstapel hatten sich losgerissen und Dachlatten selbständig gemacht. Es war ein Glücksspiel. dieses Chaos mit 2 Leuten wieder in den Griff zu bekommen. Aber irgendwie gelang es doch. Der Sturm war so gewaltig, daß Brassblöcke splitterten und Segel in den Lieken einrissen.


Wenn wir auf einen Wellenberg kletterten, konnten wir in der Ferne Fischdampfer in den Wellentälern versinken sehen oder sie tauchten wieder auf, wenn wir nach unten sackten. Die Geräusche von Sturm und Wellen waren ohrenbetäubend.


Es war ein gewaltiges Naturerlebnis und wir waren mittendrinn. Ich muß sagen, ich hatte ein unerschütterliches Vertrauen zu unserem Schiff und Kommandanten und genoß dieses Schauspiel. Mir taten nur die armen Jungs leid, die sich vor dem Speigatt in den Armen lagen und röhrten wie die Hirsche. Na ja – nach einigen Tagen wurde es ruhiger. Es wurde Klarschiff gemacht – repariert – ausgewechselt und dann ging es ohne weitere Zwischenfälle nach Kiel zurück.


Damit war dann eine ereignisreiche Reise beendet.

 


Gruß Möwe

 
33. Reise – Island PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Volker Sturmat   
Samstag, 25. Oktober 2008 um 10:43

Nachdem wir mit der Gorch Fock Tromsö angelaufen hatten, mit Besuch der Walfangstation, nahmen wir Kurs auf Akureyri-Island. Wir ließen die herrlichen norwegischen Fjorde, die hohen Berge und die schroffen Felsen, die bis zum Wasser steil abfielen, hinter uns.

Diejenigen, die mit dabei wahren, erinnern sich bestimmt daran, wie unfreundlich uns das Nordmeer begrüßte. Nebel, Nebel, und nochmals Nebel. Der Klang des Nebelhorns begleitete uns Tag und Nacht. Unser Kommandant, Kapitän zur See von Witzendorf ließ verschärft Ausguck gehen, da Eisberge nicht ausgeschlossen waren.  Zum Glück blieben sie verborgen dafür begleitete uns ein Wal, der abwechselnd mal an Backbord und mal an Steuerbord auftauchte und blies.

Tuut-tuut-tuut. Manch einer war genervt von dem tage- und nächtelangen anhaltendem Geheule des Nebelhorns.

Blick voraus – das Auge sieht nur grau! Blick nach Backbord  – grau! Blick nach Steuerbord – grau! Blick Achteraus – grau! Beim Blick nach oben sind die Toppen nur noch verschwommen zu erkennen. Die Segel hingen wie graue Lappen an den Rahen, sofern Sie gesetzt waren. Bei manch einem kamen Aggressionen hoch.

Doch dann näherten wir uns der Dänemarkstraße und – oh Wunder – nach mehr als 14 Tagen lichtete sich der graue Vorhang und die grönländische Insel kam in Sicht. Eine unwirkliche, graue Küste. Keine Spur von "Grünem Land". Endlich verstummte das Nebelhorn – eine Wohltat für die Ohren. Jeder an Bord atmete auf.

Kurs Süd-Süd-Ost. Bei gutem Wind segelte die Gorch Fock in Richtung Island, die Insel aus Feuer und Eis. Die Gorch Fock lief in den weit ins Land reichenden Egiafjördur-Fjord ein mit Kurs auf Akureyri.

Akureyri liegt etwa 50 km südlich des Polarkreises und wurde 1602 von den Dänen gegründet. 1786 erhielt Akureyri das Stadtrecht und erlebte dann Ende des 19ten Jahrhunderts einen stürmischen Aufschwung. Nicht zuletzt auch durch die Trawler-Fischerei. Heute kommt der Tourismus als bedeutender Wirtschaftsfaktor hinzu. Mittlerweile ist Akureyri die viertgrößte Stadt Islands mit ca.17.253 Einwohner (Stand 01.02.07). Akureyri besitzt Schulen, eine Universität und einen eigenen Flughafen. Soviel an Informationen über die Stadt, in deren idyllischen Hafen wir nun einliefen.

Alle Mann stürmten gespannt an Land. Legenden von Walfängern, Nordmännern, Polareroberung, Eskimos und nicht zuletzt die Aussicht auf die herben blonden Schönheiten des Nordens spukten in unseren Köpfen herum und ließen unsere Herzen höher schlagen. Die blonden Schönheiten wahren auch durchaus da – jedoch wenn Sie den Mund aufmachten: Ich sage nur "Die Zähne". Deshalb war es auch nicht verwunderlich, das Zitronen und Frischobst ein begehrtes Handel-und Tauschobjekt wahren. (Das ist 40 Jahre her und ich denke, das sich inzwischen einiges geändert hat).

Die Schiffsführung hatte sich auch etwas einfallen lassen, um uns Kultur und Landschaft dieser herrlich Insel näher zu bringen. So starteten wir zu einem Ausflug in die vulkanischen Landschaft, mit einem Feld von Geysiren. Übrigens bedeutet Geysir nichts anders als: wirbeln – strömen.

Auf der Fahr dorthin bot sich schon eine Besonderheit: Am Ortsausgang befand sich eine kleine Kapelle. In die flüchteten sich die Einwohner vor einem Vulkanausbruch. Und jetzt geschah das Unfassbare: Vor der Kapelle teilte sich der Lavastrom und floss rechts und links an der Kapelle vorbei. Die Kapelle(Steinbau) wurde nicht zerstört, die Menschen überlebten. Die erstarrten Lavamassen sind heute noch zu besichtigen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit wahren die kahlen, rötlich-gelben, schwefelhaltigen Felder der Geysiren. Überall blubberte und gluckerte es in heißen Löchern mit Schwefelwasser und ein fürchterlicher Gestank, wie von faulen Eiern, lag in der Luft. Die Wege dazwischen waren wie im Watt mit Staken markiert. Es wahr eine unheimliche, eine unwirkliche Landschaft.

Aber das wahr noch nicht alles, was die Schiffsführung für uns organisiert hatte.

Ein weiterer Ausflug brachte uns zu einem der bekanntesten Wasserfälle Islands, dem Godafoss-Wasserfall. Er liegt in der Gemeinde Pingeyjarsveit im Norden nahe dem Anfang der Sprengsander-Hochlandpiste.

Mit donnerndem Getöse stürzt sich dieser ca. 30 Meter breite Wasserfall 12 Meter in die Tiefe. Das ist Island! – Natur pur. Man möchte mit Ponys durch die Tundra reiten.

Ja, und dann darf man das Bad in der freien Natur nicht vergessen.

In einer Erdspalte gibt es Höhlen mit sehr warmen Wasser. Während die mittlere Temperatur im Juli bei 11 Grad liegt, ist es ein Genuss, splitternackt in diesen warmen Höhlen zu planschen.

So gingen ereignisreiche Tage in Akureyri vorüber, die mit einem Höhepunkt  zum Abschluss endeten: einem zünftigen Bordfest. Dazu eingeladen waren selbstverständlich auch die Schönheiten des Städtchens. Das Stammdeck, früher noch von Backbord bis Steuerbord offen, wurde zum Tanzsaal und es wurde ein gelungener Abend.

Ja und wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Nach diesem tollen Besuch in Akureyri hieß es wieder: Leinen los Richtung Heimat.

Wie diese Fahrt verlief ist eine andere Geschichte.


Möwe