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Gorch Fock Informationen

Zwei Großsegler mit Namen GORCH FOCK

Gorch Fock, der eigentlich Johann Kinau hieß, wurde 1880 in Hamburg Finkenwerder geboren. Er wollte wie sein Vater Fischer werden, doch er war zu schmächtig dazu. Er arbeitete als Kaufmannsgehilfe und Buchhalter. Früh begann er Geschichten und Theaterstücke zu schreiben, fast alle in Niederdeutscher Sprache. 1912 erschien sein Roman Seefahrt ist Not der zu einem Standardwerk der Seefahrtsliteratur wurde. Dann sollte sein Seefahrtstraum tragisch in Erfüllung gehen. Während des ersten Weltkrieges wurde er 1916 zur Marine einberufen. Zwei Monate später ging er mit der SMS Wiesbaden in der Schlacht am Skagerrak unter. Bei der Deutschen Marine wurden bisher zwei Segelschulschiffe nach ihm benannt.
Am 26. Juli 1932 ging das deutsche Segelschulschiff Niobe in der Ostsee bei der Insel Fehmarn unter. In einer extrem starken Gewitterbö krängte der Gaffelschoner auf 40 bis 50 Grad, die Ruderwirkung setzte aus. Beim Versuch anzuluven legte sich die Niobe völlig auf die Seite und kenterte innerhalb weniger Minuten. 40 Mann konnten gerettet werden, 69 Seeleute ertranken weil unter Deck gerade ein Unterricht stattfand. Darauf beschloss die Reichsmarine ein neues Schulschiff zu bauen. Es bekam den Namen Gorch Fock.

Die Daten der ersten Gorch Fock

Baujahr 1933, Werft Blohm & Voss, Hamburg
• Typ Bark, Stahlrumpf
• Lüa x B x T   =   82,1 x 12 x 5,2 Meter
• 1392 BRT, 1510 ts Verdrängung
• 23 Segel, insgesamt 1750 qm
• Höhe Großmast über Deck 41,3 Meter
• Hilfsmotor 550 PS
• 66 Mann Stammbesatzung, 180 Kadetten bei der deutschen Reichsmarine
• 46 Mann Stammbesatzung, 150 Kursteilnehmer als Tovarischtsch bei der Sowjetunion

Bis 1939 machte die Gorch Fock als Schulschiff ausgedehnte Ausbildungsreisen. Den zweiten Weltkrieg überstand sie in Stralsund. Als sie im Mai 1945 diesen Hafen verließ, lief sie auf eine Mine und sank. Andere Quellen sprechen auch davon, dass sie versenkt wurde. 1948 wurde das Wrack von der Sowjetunion gehoben und drei Jahre repariert. 1951 folgte die Indienststellung als Schulschiff der Handelsmarine der Sowjetunion unter dem Namen Tovarish (Kamerad) auch Tovarishch oder Towarischtsch geschrieben. Es wurde der Marineschule in Cherson am Schwarzen Meer übergeben. Eigentlich ist es die Towarischtsch 2, denn die Russen hatten schon eine Viermastbark gleichen Namens, die 1943 im Asowschen Meer untergegangen war.
1957 fuhr die Towarischtsch einmal um die Erde und rundete dabei Kap Horn. 1974 und 1976 siegte sie zweimal bei den Operations Sail Regatten. 1974, Kopenhagen - Gdingen, übrigens nur durch das überaus faire Verhalten der Gorch Fock und ihrem damaligen Kommandanten Kapitän zur See Hans Freiherr von Stackelberg. Ansonsten wäre der Sieg UNSER gewesen. Bezahlt machte sich das durch ausgesprochen gute Kontakte zur Besatzung der Towaritsch, die uns gute russische Gastfreunschaft an Bord demonstrierten! 1992 löste sich die Sowjetunion auf und die Bark wechselte unter ukrainische Flagge, denn ihr Heimathafen Cherson gehört zur Ukraine. Die deutsche Tall-Ship Friends vermittelte 1992/93 Windjammerreisen auf der Towarischtsch. Von 1995 bis 1999 lag das Schiff zur Reparatur in England, doch die Arbeiten kamen nicht in Gang. 1999 bot Tall-Ship Friends die Wiederinbetriebnahme an und das Schiff verholte nach Wilhelmshaven. Im Jahre 2000 war die Towarischtsch ein Highlight der EXPO am Meer.

Die Ukraine hatte kein Geld für ihre Towarischtsch. Der Liegeplatz war kostenlos und die ukrainische Besatzung wurde von den Wilhelmshavenern durchgefüttert. Vier Jahre lag der Segler so in Wilhelmshaven. 2003 gelang es Tall-Ship Friends die Bark zu kaufen. Die Towarischtsch wurde mit dem Dockschiff Condock V nach Stralsund gebracht und dort reapariert. Am 29. November 2003 wurde die Bark auf ihren alten Namen getauft: Gorch Fock. Zur Zeit kann das Schiff besichtigt werden, eine Gaststätte an Bord ist geplant. Für die Zukunft hat man sich die Wiederherstellung der Segelfähigkeit vorgenommen (Stand Jan. 2004). www.gorch-fock-1.de

Die Daten der zweiten Gorch Fock

Baujahr 1958, Werft Blohm & Voss, Hamburg
• Typ Bark, Stahlrumpf
• Länge über alles x B x T   =   89,3 x12 x 5 Meter
• 1760 ts Verdrängung • 23 Segel, insgesamt 1952 qm
• Höhe Großmast über Wasserlinie 45,3 Meter
• Größte Rahlänge 24 Meter
• Hilfsmotor 800 PS, später 1.660 PS
• Geschwindigkeit unter Segel max. 16 kn, unter Motor max. 13,7 kn
• 69 Mann Stammbesatzung, 200 Offiziers- und Unteroffiziersanwärter.

Die zweite Gorch Fock hat vier Schwesterschiffe, die alle von 1933 bis 1938 bei Blohm und Voss gebaut wurden. Es sind die erste Gorch Fock ex Towarischtsch, die Eagle ex Horst Wessel, die Sagres II ex Albert Leo Schlageter und die Mircea. Größtmögliche Sicherheit war Forderung bei der Konstruktion dieser Schiffe und alle fahren heute noch! Diese Vorkriegsbauten haben sich so gut bewährt, dass bei der Gorch Fock 2 nach den gleichen Konstruktionszeichnungen gebaut wurde. Bei der Gorch Fock 2 sind Schiffsrumpf, Masten und Rahen aus Stahl. Rund 300 Tonnen Eisenballast im Rumpf geben dem Schiff eine gute Stabilität bis zur theoretischen 90 Grad Krängung. Ein hohes Freibord und zusätzliche Schotten sorgen weiter für Sicherheit gegen Wassereinbruch.

Die Gorch Fock ist Segelschulschiff der Deutschen Marine. Offizier- und Unteroffizieranwärter erhalten hier einen wichtigen Teil ihrer praktischen und theoretischen Ausbildung. Seit 1997 nehmen auch Frauen daran teil. Im Juli 1959 begann der erste Kurs, der mit einer Reise zu den Kanarischen Inseln seinen erfolgreichen Abschluss fand. Seitdem werden pro Jahr ca. drei Ausbildungsreisen gemacht. Im Winter liegt das Schiff oft in seinem Heimathafen Kiel oder in einer Werft.

Inzwischen ist das Schiff schon über 45 Jahre im Dienst. In dieser Zeit bis Ende 2003 wurden 134 Auslandsausbildungsreisen (AAR) erfolgreich absolviert. 1987/88 segelte die Gorch Fock in 336 Tagen einmal rund um die Welt. Dabei wurden 33.572 sm zurückgelegt, 19 Häfen in 15 Ländern auf fünf Kontinenten angelaufen (80. - 83. AAR). 1996/97 war die Gorch Fock 343 Tage unterwegs und legte dabei rund 36.000 sm zurück, davon 65% unter Segel. Bei diesen Reisen ist die Gorch Fock Deutschlands diplomatischer Botschafter weltweit für Frieden, Freundschaft und Verständigung zwischen den Völkern. So nahm die Gorch Fock 1976 an der 200-Jahr-Feier der amerikanischen Unabhängigkeit in New York teil. Sie segelte auch in der Parade bei der 200-Jahr-Feier zur Gründung der australischen Nation 1988 in Sydney.

Seit 1960 nimmt die Gorch Fock an internationalen Großseglertreffen und Regatten teil. Das sind die jährlichen Cutty Sark Tall Ship Races, Operation Sail und spezielle Regatten wie z.B. 1992 die Columbus Regatta über den Atlantik. Dabei hat die Bark immer einen der vordersten Plätze erreicht, acht mal war sie schnellstes Schiff im Zielhafen. Das beste Wachetmal (gesegelte Distanz in vier Stunden) betrug 61,6 sm; das entspricht einer Durchschnittsfahrt von 15,4 kn. Das beste Tagesetmal lag bei 323,2 sm, das sind 13,4 kn im Schnitt.

Nach der Indienststellung 1958 übernahm die Hansestadt Hamburg die Patenschaft für die Gorch Fock. 1982 folgte der Schleswig-Holsteinische Landtag mit einer weiteren Patenschaft / Partnerschaft. Die Gorch Fock hat sich bei zahlreichen Besuchen bei den Hamburger Hafengeburtstagen beteiligt. Und in ihrem Heimathafen Kiel führt sie stets die Windjammerparaden bei der Kieler Woche als Flaggschiff an.

Die Gorch Fock trägt als Gallionsfigur einen Albatros. Im Dezember 2002 ging der Albatros im stürmischen Englischen Kanal verloren. Ein Neuer wurde geschnitzt und montiert, er war 350 kg schwer.. Doch genau ein Jahr später riss eine hohe Biskayasee auch diesen Albatros vom Bug ab. Im Frühjahr 2004 ein Albatros aus kohlefaserverstärktem Kunststoff auf der Gorch Fock installiert.

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